Ich denke, es ist 10, 12 Jahre her, daß ich mein letztes Gedicht geschrieben habe. Vielleicht sollte ich es ja auch besser lassen, aber eine befreundete Sängerin hat mir heute einen MP3-Player voll mit selbstgeschriebenen Songs geliehen, und das hat diesen von früher bekannten Zustand von kreativer Sehnsucht in mir ausgelöst, in dem man dann entweder die ganze Nacht wachliegt, oder irgendetwas schreibt. Früher ist mir das dauernd so gegangen- ich war geradezu froh, daß sich dieser irgendwie pubertäre Zustand geglättet hat. Aber hier ist jedenfalls, was heute zwischen 00.16 und 01.21 aus mir herauswollte.
Wollen
Kannst du`s fühlen, dieses Rollen
der Sekunden, der Sekunden,
der Minuten und der Stunden?
Wie das Sehnen und das Wollen,
Meine Fluten auszugießen
und in pochenden Minuten
endlich gänzlich zu verbluten
und in Ruhe zu zerfließen.
Kannst du`s fühlen, dieses Röhren,
dieses Tosen in den Ohren,
Als die Adern mir gefroren
konnt` mein Blut ich stocken hören-
An der Wand von Eis verschallten
meine Schreie, sie zerschellten,
So zersprangen meine Welten,
klirrten, brachen und verhallten.
Kannst du dieses Sirren hören
der in sich gedrehten Stunden,
die mich wie in Draht gebunden
Um mir dauernd zu gehören.
Die mich fesseln, die mich halten,
die mir meine Schreie dämpfen,
Wer nicht schreit wird auch nicht kämpfen,
Eisern bleibt es so beim Alten.
Strömen will ich, will zergehen
mich ins Meer hineinergießen,
will mich schmelzen, will zerfließen
und die Sonne tauen sehen
Um im Goldglanz aufzugehen.