Synve’s Blog

Singen vor dem Inneren Auge

Singen vor dem Inneren Auge

Von den Imaginationstechniken in der Gesangsausbildung

Während jeder Blockflöten-Lehrer seinen Schülern ganz leicht und anschaulich zeigen kann, wie man die Finger auf welches Loch setzen muß, um welchen Ton zu produzieren, waren Gesangslehrer immer schon gezwungen, sich von reinem Anschauungsunterricht abweichende Formen des Unterrichts einfallen zu lassen.

Unmöglich können wir dem Schüler beschreiben, welche winzigen Knorpelchen im hochkomplizierten Stimmbildungsapparat wie gespannt und zueinander eingestellt werden müssen, um welchen Ton zu ergeben. Sogar die noch so beeindruckendesten Stroboskop-Aufnahmen von guten korrekt singenden Sängern helfen keinem Schüler, seine Stimmbänder auf die gleiche Art schwingen lassen zu lernen.

Also spielt sich die Stimmbildung zu einem großen Teil im Kopf ab, in der Vorstellung von Schüler und Lehrer. Optimalerweise findet man in der Lehrsituation zu Bildern, die der Schüler zu etwas für ihn Nützlichem umsetzen kann. Schon die grundsätzliche Tonvorstellung, das ästhestische Grundgefühl des Schülers weicht oft bereits von dem des fertig ausgebildeten Sängers ab. Schließlich hat ein heutiger Schüler eher unfunktional singende Stimmen aus Radio und Youtube im Ohr, die nachzuahmen kaum der Gesundheit der eigenen Stimme zuträglich wären.

Der Bogen meines Themas reicht von diesen Grundvorstellungen bis zu den vielfältigsten Tonproduktions-Vorstellungs-Hilfen (die zu 80 Prozent dem Abbau von unerwünschter, übermäßiger Spannung dienen) bis zu den imaginativen Coaching-Methoden, die ein Künstler zum Autreten braucht, ebenso wie sie bei Spitzensportlern inzwischen zum Grundrepertoire gehören.

Während man in den Anfängen der Gesangsausbildung noch auf Ausbildung von Massen und “The Survival of the Fittest” gestetzt hat (Knaben wurden reihenweise kastriert, mußten jahrelang viele Stunden lang Koloraturen und Läufe üben, um schließlich den einen oder anderen Sänger mit “geläufiger Gurgel”, aber auch eine Unzahl von nutzlosem Ausschuß zu produzieren) haben sich die imaginativen Techniken immer mehr in den Vordergrund gespielt und sollen hier endlich umfassend behandelt werden.

Zuletzt soll nicht unerwähnt bleiben, daß bei einer holistischen Gesangsausbildung, die den Sänger von innen heraus ausbildet und nicht nur äußerlich an seiner “geläufigen Gurgel” bastelt, sich mit der Ausbildung auch ein runder, zufriedener, in sich ruhender künstlicher Mensch mit einer ehrlichen Aussage herauskristallisiert. Ist es nicht das, was wir erreichen wollen und was uns berührt?

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