Synve’s Blog

Januar 19, 2011

Haiku aus dem Sängerleben

Einsortiert unter: Gedichte — synve1 @ 10:21 vormittags

Bei Kollegin Elisabeth Wiesinger habe ich diesen kleinen aber ausdrucksvollen Haiku aus dem Sängerleben gefunden und geklaut:

7 Stunden gesungen.

Heimfahrt.

Kalte Pommes.

:-)

Januar 4, 2011

Silvester in Taiwan

Einsortiert unter: Inspirationen — synve1 @ 1:26 vormittags

AUS DER LUFT:

Auf Bild 1 sieht man Frankfurt aus der Luft, bei minus 4 Grad. Ebenfalls minus vier herrschten bei der nächsten Zwischenlandung nach 10 Stunden Flug in Peking.

Taipeh, drei Flugstunden südlicher, hielt dafür ein angenehmes stabiles Silvester-Klima von 16 Plus-Graden bereit- optimal für Sightseeing in dieser faszinierenden Stadt zwischen hypermodernem Luxus und uralten einfachen Lebensweisen.

EXTREMER KONTRAST: ARMUT UND LUXUS:

Taipeh: eine Stadt der extremen Kontraste: Hier das Luxushotel Hyatt direkt neben dem berühmten “101″, dem momentan zweithöchsten Turm der Welt, der Turm mit der berühmten Anti-Erdbeben-Kugel, die die durch Erdbeben entstehende Schwankungen ausgleichen und dadurch einen Einsturz verhindern soll.

Vom Hotel aus einmal um die Ecke sieht es dann so aus: 

Hier kaufen die einfachen Leute ihren Reis, ihre Kichererbsen und ihre Gewürze gleich direkt aus den Säcken in einem der kleinen offenen Shops auf der Strasse. Alle paar Meter gibt es einen Stand mit Street Food, kleinen Snacks, die hier frisch herausgebacken und an die Passanten verkauft werden. Street Food ist sehr günstig und alles, was ich gekostet habe, war auch sehr gut. Da die Wohnungen der normalen Leute hier sehr klein sind und meist viele Familienmitglieder beherbergen, wird angeblich kaum zu hause gekocht sondern hauptsächlich auf der Strasse gegessen.

Der Verkehr ist eine bunte Mischung aus Autos, Myriaden von Motorrädern und diversen ziemlich selbstgebastelt wirkenden Vehikeln, die genau für den vorgesehenen Zweck aber ohne jeden überflüssigen Komfort designt sind. Hier eine kleine Handelsinteraktion mitten zwischen den vorbeifahrenden Autos. Zum Glück legen hier alle eine grosse Geduld und Flexibilität an den Tag- Hindernisse auf der Strasse werden vorsichtig umschifft, ohne dass jemand irgendjemand deshalb grantig werden müsste. Was durch Gesetze der Physik wirklich nicht mehr zu gehen scheint, wird irgendwie durch kreativen Gebrauch Hupe, sowei ein gerüttelt Mass an Geduld und Spucke doch noch gelöst!

Als gar nicht so einfach erwies es sich, an die einheimische Währung, den Taiwan Dollar, zu kommen, denn die -eigentlich weitverbreiteten- Banken von Taipeh hatten von so exotischen Währungen wie dem Euro noch nichts gehört. Nur die City Bank wusste damit etwas anzufangen, bei den anderen Banken sah die Währungsauswahl eher mickrig aus und beschränkte sich auf übersichtliche US Dollar, Yuan, und aus irgendeinem Grund britische Pfund! Überhaupt denkt der normale Taiwanese beim Anblick eines Westlers sofort an Amerika, das ja quasi das nächste Nachbarland jenseits des enormen Pazifik ist.

Die amerikanische Kiosk-Kette 7-Eleven hat sich zu meiner Überaschung ganz darauf eingestellt und eine eigene Schiene für den asiatischen Markt, für den in 7-Eleven-Design verpackte lokale Knabber-Spezialitäten wie Salzmandelstreifchen mit getrockneten Mini-Fischlein (wie man sie bei uns als Katzen-Leckerchen kaufen kann) angeboten werden. Auch alle bekannten amerikanischen Soft-Drinks haben eine eigene (nur einen Bruchteil kostende) asiatische Produktionsschiene, die den asiatischen Markt mit Cola- und Fanta-Dosen, beschriftet mit asiatischen Schriftzeichen im konzern-typischen Schwung, versorgt.

Einheimisch-asiatische Softdrinks bestehen offenbar aus einer enormen Vielfalt aus Tees, gerne mit Milchpulver und einer Unmenge Zucker, in bunten kleinen Tetrapacks.

Auf den  spannenden Strassenmärkten gibt es alles, was man so für den Alltag braucht: Geschirr, Kleidung, Schmuck und Uhren und so manches origenelle Obst und Gemüse, das wir Europäer noch nie gesehen hatten! Hier fand unser Tenor-Kollege Mario, der aus Mexiko stammt, einen ganzen Berg eines grünen Gemüses, das ihn zu wahren spontanen Begeisterungsstürmen hinriss! Chayote, ein typisch tropisches Gewächs irgendwo zwischen Kürbis, Gurke und Zucchini, das es warm und freundlich braucht um zu gedeihen, und das deshalb gerne auch in Mexiko gedeiht!  Vergeblich hatte Mario versucht, es für seine Kinder am Wiener Naschmarkt zu entdecken! Und hier lag es in lustigen Haufen einfach am Boden herum!  Nachdem ich noch nie irgendjemanden über ein Gemüse derartig aus dem Häuschen geraten sehen habe, musste Chayote natürlich eingepackt und mitgenommen werden.

Nachdem ich also drei Chayote-Knollen erfolgreich um den halben Erdball transportiert und dann nach chinesischer und mexikanischer Art zubereitet habe, kann ich folgendes darüber berichten: Es ist ein einfach zu verarbeitendes Gemüse mit angenehm frischem Geschmack und saftig grünem gurkigen Fruchtfleisch, das beim Braten ein feines, gewürzartiges, belebendes Aroma entwickelt, das irgendwie eine starke bleibende Erinnerung auslöst und deshalb tatsächlich ein sehnsüchtiges Gefühl entstehen lässt, dass man so eines bald wieder zu sich nehmen möchte!

Gekocht haben wir die Chayote in Wien sowohl mexikanisch- gebraten mit Käse- als auch taiwanesisch im Wok-Stil mit Ingwer und Zwiebel nach Anleitung der taiwanesischen Verkäuferin. Beides war sehr lecker. Leider gedeiht es nur in tropischem Klima, sonst hätten wir versucht, den einen Kern, den jede Frucht beherbergt, zu pflanzen. Hat man tropisches Klima, soll diese Pflanze nämlich recht pflegeleicht in der Handhabung sein!

Die Freundlichkeit der Marktverkäufer war wirlich herzerwärmend: Weil wir so interessiert schauten, bekamen wir Mädls gleich eine Handvoll ortstypischer Knabbereien geschenkt: zäh-knusprige Hühnerfüsse,  leicht süsslich-bräunlich mariniert. Julia aus Ungarn ist nicht so leicht von einem blossen Hühnerbein zu erschrecken! Ihr beherzter Biss in den Geflügelschenkel trug ihr solche Begeisterung der Marktfrauen ein, dass diese zusammenliefen und ihr überglücklich eine weitere Handvoll Knabberfüsse in die Hand drückten! Scheinbar kommen nicht so viele Europäer vorbei, die diese geliebte lokale Delikatesse tatsächlich in den Mund nehmen! Überschwenglich wurde uns die Gesundheit, Bekömmlichkeit und Schmackhaftigkeit der Beinchen mit Händen und Füssen erläutert , und wir mussten schnell das Weite suchen, um unsere leicht angenagten Hühnerbeine dezent in einer finsteren Ecke fern von Taiwanesen-Blicken verschwinden zu lassen! Also wenn man nichts anderes zu essen hätte, wäre vielleicht ein Hühnerfuss eine letzte Option. So aber wird er es fürchte ich kaum auf die europäische Speisekarte schaffen, egal wie gesund er möglicherweise für unsere strapazierten Gelenke sein mag! Wie soll ich sagen: die Haut ist zäh, süsslich und nachgiebig, und die Knochen sind scheinbar durch die Marinade weich genug, um ohne Splittern wie ein härterer Knorpel zernagt werden zu können.

Im Tee-Shop am Ende des Marktes war wiederum der schiere Luxus zu hause. Gerade noch war das Gemüse auf der Strasse herumgerollt, hier kostete die billigste Tasse Tee soviel viel 30 mexikanische Chayotes.

Die Tee-Show, für die der Shop-Besitzer sorgte, war diesen fantastischen Preissprung aber allemal wert. Das Service kannte keine Grenzen:  bekamen wir doch zu der einen Tasse Oolong-Tee, die ich bestellt hatte, noch drei Extra-Tässchen, damit meine drei Freunde Julia, Mario und Kirill  gleich mitkosten konnten. Dazu gab es für jeden ein Glas elegant aromatisiertes Wasser und eine Einschulung zum wahren Tee-Connoisseur! Oolong Tee erkennt man daran, dass jedes Blatt zu einem einzelnen Kügelchen gerollt ist. Wie gut die Qualität des Tees ist, kann man sehen, wenn man diese Kügelchen in Wasser aufgehen lässt und sie wieder zu unversehrt aussehenden Teeblättern aufgehen, ganz im Gegensatz zu den armen Teeflankerl, die wir normalerweise in unseren Teesieben vorfinden.

In den beiden weissen Schalen auf der Theke konnten wir erstklassige Teeblätter begutachten, die bereits einen bzw. drei Tage im Wasser schwammen- die Blätter sahen frisch und ganz aus, die Flüssigkeit klar und grün, und die Blätter waren einzeln händisch gezupft, was ein geübter Kennerblick sofort verriet!

Dazu bekamen wir im Detail erklärt, was man mit Löffel, Teeblättern und Tee eigentlich anfängt und wie man den Geschmack beurteilt. Und nach Beendigung unserer suppenschüsselgrossen Tasse wurde diese noch einmal gratis nachgefüllt, was dem Geschmack keinen Abbruch, uns aber schon an die Grenze unserer Tee-Füllmenge brachte! Statt einer mickrigen Tasse Tee hatten wir also geradezu ein multisensorisches Tee-Vollbad für vier erhalten!

Nach unserer ausführlichen Einschulung macht uns jedenfalls niemand mehr etwas vor: erstklassigen Tee erkennen wir jetzt am Blatt, an der Bruchstelle, an der Farbe und am vielschichtigen, changierenden  Aroma. Nachdem ich mich eigentlich schon vorher für einen Teefreak gehalten hatte, war ich geradezu beschämt darüber, was mir über Tee bisher alles nicht klar gewesen ist! Das Problem war nur, dass wir nach unserer Teehaus-Stunde derart elitär in die “Teeolgie” eingeschult waren, dass wir nachher keinen Tee mehr zum Mitnehmen nach Wien kaufen konnten. Wir konnten einfach keinen finden, der unseren neuen himmelhohen Qualitätskriterien auch nur im geringsten entsprochen hätte. Soviel wir auch in den diversen Tee-Shops mit Kostproben verlockt wurden, hatten wir uns vom Touristen, der auf hübsche Teedosen mit glücklichen Geishas darauf, hereinfällt, einfach zu weit entfernt und durchschauten alle Mängel, die versucht wurden, vor uns versteckt zu werden!

PARKS UND NATUR:

Taiwan erfindet unheimlich gerne Verbotsschilder! Leider habe ich keine Bilder von den lustigsten Verboten erwischt: zB. ein deskriptives Bild, das das Verbot darstellte, schwangere Frauen zum Rauchen anzustiften!

Oder das offensichtlich notwendige Verbot von Hühnern in Bus und U-bahn (während andere Tiere kurioserweise in Käfigen erlaubt sind!)

Wo wir schon bei Tieren sind: diese entzückenden taiwanesischen Eichhörnchen wohnten in einer dichten Bambusgruppe in einem der wunderschönen, friedlichen Parks von Taipeh. Sie sind komplett zahm und lassen sich von den Spaziergängern aus der Hand füttern! Man beachte die kuriosen fuchsroten flauschigen Bäuchlein!!!

Hunde in Taipeh gibt es vereinzelt. Wenn dann immer einzeln geführt, und alle sehen aus als kämen sie frisch vom Hunde-Friseur. Farbenfrohe Mäntelchen werden gerne getragen- scheinbar befürchten die reichen Taiwanesen, die sich den Luxus eines Hundes leisten können, ihr flauschiger Liebling würde sich bei den für Taiwan unangenehm tiefen Winter-Temperaturen von 16 Grad plus zu Jahreswechsel verkühlen!

Frieden spendende Parklandschaften, kleine Oasen zum Rasten, und die allgegenwärtigen.. Menschen mit Mundschutz!

Mundschutz hatte ich schon im Strassenverkehr beobachtet, bei vielen Motorradfahrern, aber auch bei Fussgängern. Die Luftqualität auf den Strassen ist nicht die astreinste, da war ein Mundschutz noch nachzuvollziehen- aber mitten im Park? Scheibar trug jeder 50.te Bürger hier Mundschutz. Manche ganz einfache, manche bunte mit Blümchen, Pünkten oder Comic-Figuren. Mein Rätsel-Sinn lief auf Höchsttouren! Aber die Lösung sollte sich in einem Erläuterungs-Schild in der U-Bahn zeigen!!!

Währenddessen schlenderten wir weiter durch die belebten Strassen- wie man sieht, gibt es kaum einen Teil eines Tieres, den man nicht dem Verzehr widmet! Möglichst Knorpeliges dürfte nicht nur aus der Not gegessen werden sondern scheint ernsthaft geliebt zu werden- Hühnerschnäbel, Schweineschwänze, Beinfleisch voller kleiner Knochen- und dicker Knorpelstücke (über das sich bei uns die Hunde freuen würden), das lieben die Taiwanesen! In einem authentischen Lokal, in das wir am Abend nur einkehrten, weil es durch keinerlei Turistenreklame beworben worden war, und weil es gut von Einheimischen besucht war, bekamen wir von allen, die wir fragten, die selbe enthusiastische Empfehlung, die beste Suppe sei Spare-Rib-Soup! Diese stellte sich als Nudelsuppe mit besonders knorpeligen süsslich eingelegten Beinfleischstücken (Marke Hühnerfüsschen) heraus. Knautschige Knorpel von der Konsistenz von unknusprigen Schweinsschwarterln lassen Taiwanesen-Augen leuchten! Wir Europäer wollen mit Knorpeln (und seien sie eventuell noch so gesund!) am liebsten gar nichts zu tun haben. Schwarte und Haut muss bei uns, wenn dann kunstvoll knusprig gebaten sein. Hier aber ist scheinbar auch Hühner- und Entenhaut nur dann optimal, wenn sie gelb, leicht zäh und so unknusprig wie möglich ist! Zugegebenermassen entstehen dabei selbst bei mir assoziative Bilder, wie sich der Konsum von derlei Nahrung direkt als Gelenksschmiere in strapazierte Gelenke integriert!

Es wäre interessant zu erfahren, ob der begeisterte Genuss der Taiwanesen von Knorpeligem sich auf das Auftreten von Arthritis und Gelenksschäden tatsächlich auswirkt!

Auch so kann man natürlich an Tee kommen: ein mobiler Instant-Tee-Stand. Rollt der vorbei, stürzen die Verkäuferinnen aus den Geschäften und holen sich einen Becher Heissgetränk aus Pulver frisch zusammengerührt.

Hat man vor, mit Tee und dazu gehörigen Requisiten zu verarmen, besteht auch dazu reichlich die Möglichkeit. Diese Teekannen konnte ich mir gerade leisten zu fotographieren. Ist immerhin auch etwas!

Das Kindergefängnis- will sagen Schule! scheinbar besteht akute Ausbruchsgefahr, da es hervorragend vergittert ist. Die Schüler tragen Uniform, bisweilen auch die mysteriösen Mundmasken, wirken aber ansonsten durchwegs lustig und vergnügt!

Die U-Bahn

 

Grossartig durchgeplant ist das U-Bahn-System, in dem sich jeder Tourist auf Anhieb intuitiv zuerechtfindet. Die Tickets sind billig, lassen aber durch Schranken kein Schwarzfahren zu. Die U-Bahnen kommen alle halben Minuten und stoppen hinter Türen, die selbstmördersicher erst aufgehen, wenn der Zug eingefahren ist. Es gibt sogar ein hevorragend funktionierendes System von am Boden verzeichneten Pfaden für Ein- und Aussteigende, das das staulose Schlichten der mobilen Menschenmassen zu Stosszeiten schluckauffrei garantiert!

HYGIENE:

Hygiene ist bei einem so grossen Volk offenbar ein wichtiges Thema! Die stillen Örtchen sind für uns Europäer ungewöhnlich fitnessfördernd. (solcherlei Örtchen gibt es sogar in den Zügen, wo die Aufgabe in so mancher Kurve zu einer sportlichen Herausforderung wird! Aber nachdem man bei dem System nur mit den Schuhsohlen dieselben Stellen berührt wie der Vorgänger kann über mangelende Hygiene hier wirklich nicht geklagt werden!

Und unter den unzähligen Verbotsschildern fand ich endlich in der U-Bahn diese einleuchtend ausführliche Plakatwand, die in anschaulichen Comics erklärt, wozu die vielen Mundschütze getragen werden, die überall zu sehen waren! Daneben eine kleine Auswahl von bunten Exemplaren! Das Tragen von einem Flugbazillen-Schutz schien mir letztendlich eine so gute Idee zur Volksgesundheit, dass ich mir seitdem richtig unhygienisch vorkomme, wenn ich niessen muss!

PARK MIT VOLKSPALAST, THEATER UND KONZERTHAUS:

Der nächste herrliche Park beherbergte den bomabstischen Volkspalast mit seinen eingebauten Prachtstatuen, seiner lokalen Kunstsammlung und seiner monumentalen treppenreichen Architektur, sowie das Konzert- und Theatergebäude, wo die Kollegen ihr Carmina Burana Konzert am Neujahrsabend hatten.

TEMPEL:

Im prachtvollen Tempel wimmelte es nur so von frommen Betenden, die hin und her schusselten, Räucherstäbchen von A nach B brachten, Statuen anbeteten, Gebetshölzchen warfen, und ähnliches. Nicht nur die räucherwerkgeschwängerte Luft und die hypnotisch immer im Kreis laufenden Musik aus wenigen immer wiederkehrenden Takten, die als Mutter aller Esotherik-Stimmungs-Berieselung in Dauerschleife für eine Beinahe-Trance sorgte , sondern auch das stetige Gewusel aus ernsthaft und versunken Betenden, liessen einen als westlicher Besucher ganz flau und klein werden. Nur ein paar verstohlene Bilder gelangen mir von einigen der Statuen. Die Betenden versuchte ich tunlichst nicht zu fotographieren, das wäre mir unethisch vorgekommen. Aber lang standen wir ohnehin nicht unbetreut herum, da kamen schon die freundlichen Tempelwächter und drückten uns Gebetshölzchen in die Hand, mit denen man Buddha um die Erfüllung von Wünschen bitten konnte, und erklärten uns die überaus aufwändige Bet-Zeremonie mit den sieben Räucherstäbchen, die man einzeln nach Vortrag eines Wunsches vor einer Statue seiner Wahl, in den grossen dafür vorgesehenen Becken “opfern” sollte. Ab da war es mit dem Fotographieren ohnehin vorbei, denn mit dieser Zeremonie ist man eine Stunde lang beschäftigt!

Wie immer man zu Religionen steht: diese hier war wenigstens erfrischend offen für alle Interessierten, und die Idee, einen Wunsch siebenmal mit einer langen Serie von Bewegungen und Aktionen formulieren und vortragen zu müssen, fixiert ihn schon wesentlich besser im Programm als wenn man ihn nur einmal gen Himmel schleudert. Nicht zuletzt hat es sicherlich den Effekt, dass man, wenn man mit einem falschen, nicht so wichtigen Wunsch anfängt, spätestens bei der dritten, vierten Wiederholung, draufkommt, dass er einem eigentlich doch nicht wichtig genug ist, um noch weitere drei Wiederholungen zu verdienen! Man überlegt sich also seine Wünsche!

Sehr herzig finde ich auch die (bei einem so einwohnerreichen Staat irgendwie einleuchtende) Idee, dass man den Göttern unbedingt zum Wunsch auch den vollen Namen, die Adresse (!!!!) und das Geburtsdatum (!!!!) zwecks eindeutiger Identifikation und verwechslungs-sicherer Wunschzustellung nennen muss! Wenn man ein wenig darüber nachdenkt kommt uns unser in Europa übliches Selbstverständnis, Gott müsse gleich wissen, wer wir sind, dann eigentlich ein wenig egozentristisch vor!

Zum Kontrast zum extrem stimmungsvollen alten Tempel besuchten wir noch einen modernen Tempel, der aber trotz drei neuer, goldglänzender Riesenstatuen ohne Flair und ohne Besucher geblieben war, und wir fanden einen winzigen Strassentempel, nicht grösser als die rundum liegenden kleinen Shops- für den “kleinen Wunsch zwischendurch” ist hier in einem Schrein eine kleine Ansammlung der wichtigsten Gottheiten für die Wunschentgegennahme zuständig. Auch hier werden essbare Opfer gebracht.

NIGHT-MARKET:

Ausgesprochen erlebenswert sind die Night-Markets: ab Einbruch der Dunkelheit kann man in den nächtlichen Strassenmärkten alles nur Erdenkliche erwerben. Damit man dabei nicht vom Fleish fällt, ist mindestens jeder zweite Stand eine originelle Imbissbude: hier gibt es Bratmaden, Riesenshrimps, Schnecken, getrockneten Tintenfisch  zum Knabbern oder süss bestrichen und knusprig geröstet,

Nachdem ich das mit dem Mundschutz endlich verstanden hatte, muss ich sagen, dass mich die sorgfältige Bällchen-Falt-Arbeit dieser Köchin mit Mundschutz besonders vertrauensvoll stimmte. Da kann man nur hoffen, dass europäische Köche in ihren vor den Gästen gut versteckten Küchen auch immer ähnliche hygienische Sorgfalt walten lassen! ;)

Hier kann man sich sein Tepanyaki-Buffet zusammenstellen. Hinter den verlockenden Theken warten die Tische für die Gäste.

Wem das “normale” Essensprogramm noch nicht exotisch genug ist, kann sich auch seine Wunschschlange zum Abendessen aus einem Käfig aussuchen. Hier war – ebenso wie bei den aus ihren Panzern gezogenen Schildkröten – aus naheliegenden Gründen das Fotographieren verboten.

Diese kleinen Hunde waren glaube  ich nicht als Snacks gedacht, sondern durchaus als Pets. Auf dem nächsten Bild wird neben Maiskolben mit Sesam auch ein Border Collie zum Verkauf angeboten, wenn man genau hinsieht!

Hier gibt es offenbar Heilkräuter, die in einer Live-Show auf Taiwanesisch erläutert werden.

Und für die Kinder gab es auch jede Menge Spass trotz nächtlicher Stunde. Ein Spielzeugstand verlockte mit leuchtenden fernsteuerbaren Autos, die sich lustig überschlugen, sowie mit kleinen ferngesteuerten Hubschraubern, und ganze Batterien von Flipperspielen für Kinder standen bereit, um eine neue Generation in die Freuden des Glückspiels einzuführen.

 

Hier ein Fächermaler mit seiner Ware

STADTBILD:

Taipeh feiert übrigens gerade sein 100-Jahr-Jubiläum, das natürlich mit einem Riesenfest zu Silvester gefeiert wurde!

Hua-Lien an der Ostküste

Während wie gesagt die Kollegen ihr Konzert in der Konzert-Halle in Taipeh am Neujahrsabend hatten, war unser kleines Grüppchen gebucht für das Neujahrs-Sunrise-Konzert am 1. Januar um halb sechs in der Früh!

An der Küste des brausenden Pazifik, vor dem die Stadt Hua-Lien durch Tsunami-Wälle abgeschirmt ist, war eine Bühne wie für ein Rock-Konzert aufgebaut. Nachdem Taiwan überaus interessiert an westlich klassischer Musik ist, hatte ein einheimisches Orchester Beethovens Neunte Symphonie studiert und uns als westlichen Aufputz für die Übertragung der berühmten Ode an die Freude (Freude, schöner Götterfunken) auf der Gross-Leinwand sowie die Fernsehübertragung um die halbe Welt einfliegen lassen!

Ein riesiges Publikum erschien auch trotz der frühen Stunde, und alle warteten auf das Aufgehen der Sonne während des Konzerts, das mit zarten einheimischen Kompositionen und einem entzückenden (wenn auch um die Zeit ein wenig verschlafenen) Kinder-Chor begann und sich dann stimmungsvoll in Beethovens Freuden-Ode steigerte!

Wirklich schade, dass genau an diesem Tag gerade die Sonne nicht mitspielte und es zwar einigermassen hell aber wegen Nebel und Wolken nicht sonnig wurde. Nun, es gab immerhin noch die Sonne auf der grossen digitalen Leinwand hinter den Musikern!

Bei einem Konzert zu derart früher Stunde versteht es sich von selber, dass das Frühstück zur Belohnung nach geleisteter Arbeit wird!

Ich hatte ja bereits in Taipeh wacker das Beste von asiatischem Frühstück getestet. Hier begegnete ich neben dem berühmten Congee, dem sagenhaft geschmacklosen Reisschleim, der dafür besonders bekömmlich sein soll, und unter anderem auch dem berühmten Tausendjährigen Ei, einer Spezialität, die ja laut den Asiaten extrem gesund sein soll. Überhaupt sind Eier zu Neujahr scheinbar eine Tradition, tausendjährige Eier sprechen ja schon durch ihren Namen eine Verheissung von langem Leben und hohem Alter aus! In spezielle Lake eingelegt werden sie in einer dicken Schicht von Ton und Stroh eingepackt, und, zwar nicht tausend Jahre aber immerhin ein paar Monate später wieder ausgepackt. Bis dahin haben sie eine fast schwarze Farbe angenommen und bestechen durch einen spannenden schwefelartigen Nachgeschmack, zu dessen endgültiger Auslöschung auch der geschmackloseste Reisschleim nicht ganz herhält!

Und zu meiner grossen Überraschung begegnete ich in der Frühstückssuppe nach dem Morgenkonzert in Hua-Lien an meinem letzten Taiwan-Tag der berüchtigten “Made in Taiwan” ganz höchstpersönlich! Da war sie: eingepackt in ein grünes Blatt am Boden meiner Frühstücks-Suppenschüssel! Ja, mein Taiwanaufenthalt war zwar kurz, aber mit dieser Begegnung habe ich das Gefühl, beinahe nichts Versäumenswertes versäumt zu haben! 

Sogar den Pazifik, dieses Riesenmeer, das sich um den halben Erdball bis an Amerikas Westküste  unvorstellbar unermesslich ausdehnt, habe ich gesehen:

Naja, mehr erfahren hätte ich eigentlich doch sehr gerne über die taiwanesischen Aborigines, deren indianisch anmutende Kunst einen Hauch von spannenden Geschichten aus den längst vergangen Zeiten der unerschrockenen Pazifik-Überquerer versprachen, die ehedem das Land besiedelten. Die selben kelpieartigen Hunde, die auf den Holzschnitten als Jagdkumpane dargestellt sind, laufen übrigens noch immer wild herum und vermehren sich lustig weiter!

Vielleicht ergibt sich für mich wieder einmal eine Gelegenheit, über diese Urgeschichte mehr zu erfahren, sowie die spektakulären Naturschauspiele zu besichtigen, die ich diesmal leider versäumt habe. Dann gibt es vielleicht die Fortsetzung der taiwanesischen Reiseschilderungen!

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