Vorweihnachten 2010 bietet für den Nachrichtenleser köstlichste Unterhaltung: Zum einen sind da die köstlichen Telephon-Abhör-Protokolle unserer österreichischen Finanz-Elite, die in allen Tageszeiten im wortgewandten O-Ton ein unterhaltsam-farbenfrohes Bild von den weissen Westen der Beteiligten malen:
Meischberger: “Wo woar mei Leistung?” Plech: “deine Leistung war, ah, deine Leistung woar, ahhh, das du, ih bin jetzt völlig durcheinander….”
Ist ja auch verständlich, dass man sich bei kleinen Taschengeldern von 600.000 Euro nicht immer erinnern kann, ob und wofür man sie kassiert hat! Wir vermuten natürlich noch immer die Unschuld unserer Eliten, die sich doch bestimmt nicht einfach das Geld gegenseitig in die Taschen schieben würden!
Manchmal kommt mir allerdings der Gedanke, dass das normale Volk, die Heringe sozusagen, nur deshalb zu Anstand und Ehrlichkeit erzogen werden soll, damit die Haie schön leichtes Spiel mit ihnen haben.
Besonders jetzt zu Weihnachten, wo jeder an Werte und edle Charakterzüge wie gegenseitiges Beschenken denken sollte, bekommt all das eine ganz neue Einfärbung, wenn man als kleiner Hering einen Blick durch die brüchiger werdenden Aquariumswände erhascht.
Weihnachtliche Werte wie Uneigennützigkeit, Altruismus, Verzicht, Bescheidenheit… sind die vielleicht nur ein Spezialfutter, die ein angenehm fügsames, braves, Volk aus uns machen sollen, das den Banken die Schulden zahlt, damit die Bonzen auch recht schön weiterfeiern können???
Die Haie nähren sich nämlich scheinbar nicht von demselben Futter und spielen auch nicht nach denselben Regeln!!
Mit diesem unangenehmen Gedanken im Hinterkopf gewinnt leider jede schöne, in mir hängengebliebene wertbildende Kindergeschichte über Teilen, Freundschaft und das übergeordnete Gute einen unangenehm schalen Nachgeschmack? War das alles ein Programm der Haie, um freundliche, sanfte, formbare Bürger aus uns zu machen?
Die schönen Geschichten des Christentums glorifizierten ja auch schon den Verzicht: Sklaven und Unterdrückten wurde so ihr Fronleben mit der Aussicht nach einem Paradies schmackhaft gemacht, während die Oberhäupter in goldenen Palästen residieren und sich nicht an die Regeln halten zu brauchen, die sie dem normalen Volk abverlangen.
Kapitalistisches Kastenwesen, vermittelt durch moral-bildende Geschichten mit doppeltem Boden?
Aber zum Glück bietet zu diesem deprimierenden Einblick in die Welt der menschlichen Haie eine andere Hai-Story der Tagespresse eine sehr willkommene Aufheiterung. Tja, so hat sich der kleine Hai, der schlauerweise unter der Sprungchance seine vorfreudigen Runden drehte, seinen Weihnachtsruhm wohl nicht vorgestellt! Jedenfalls ein absolutes Goldstück an abstruser Geschichte. Viel Vergnügen damit:
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Sharm El Sheikh -
Ein Hai lag eines Morgens plötzlich am Strand von Sharm El Sheikh. Jetzt geht das Gerücht um, ein betrunkener Tourist habe das Tier getötet. Wie ihm das gelungen sein soll:
© dpaDer tote Hai von Sharm El Sheikh
Es ist eine irre Geschichte: Der Serbe Dragan Stevic soll sich nach einer durchzechten Nacht spontan zu einem Bad im Meer entschlossen haben. Völlig betrunken wie er war, kletterte er auf einen Sprungturm am Strand. Bevor sein Saufkumpane ihn aufhalten konnte, sprang Stevic ins kühle Nass. Doch zur Enttäuschung der beiden Männer spritzte das Wasser nicht so hoch wie erwartet.
Der laut seinem Begleiter naheliegendste Grund dafür: Dragan Stevic war einem Hai, ja vielleicht sogar dem Hai, der den Ferienort mehrere Wochen in Angst und Schrecken versetzt hat, mit voller Wucht auf den Kopf gesprungen. Der soll zufällig unter dem Sprungturm im Meer auf Beute gewartet haben. Das Tier soll nach der Attacke auf der Stelle tot gewesen sein. Am nächsten Tag hat die Polizei den Hai leblos am Strand gefunden. Es könnte sich dabei sogar um die Bestie gehandelt haben, die vier Touristen verletzt und eine deutsche Urlauberin getötet hatte.
“Held” liegt mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus
Ein weiteres Indiz, dass ein Hai an dieser Stelle im Wasser gewesen sein muss: Stevic soll seinem Saufkumpanen berichtet haben, das Wasser sei überhaupt nicht weich gewesen und er habe sich sogar den Knöchel verstaucht. Für den Freund ist die Sache also völlig klar. Dumm nur, dass sich der Held selbst an nichts erinnern kann. Er liegt gerade in einem Krankenhaus und kuriert seine Alkoholvergiftung aus. Die Geschichte hat sein Kumpel unters Volk gebracht.
In Sharm El Sheikh wird der Serbe trotzdem gefeiert. Wenn er sich von seiner heroischen Tat erholt hat, darf er einen kostenlosen Urlaub in einem der Resorts vor Ort genießen – seine Belohnung dafür, dass er den Hai vielleicht zufällig getötet hat.